Ganz nach dem Motto “Dem Bäckersterben trotzen” verkündeten die beiden Geschäftsführer der mittelfränkischen Bäckerei Goldjunge am Freitag zusammen mit Neuinvestor Günther Hertel und dem Insolvenzverwalter das baldige Ende des Insolvenzverfahrens.

Die Geschäftsführer Markus Schöllmann und Robin Schimpf teilten in der Filiale im Höchstadter Aischparkcenter mit, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens seit 1. August wiedererlangt zu haben. Die Freude ist sichtlich mit Erleichterung verbunden, denn es sei wegen der Doppelbelastung aus Betrieb und Insolvenzverfahren eine schwierige Zeit gewesen, so Schöllmann.

Gleichdenkender Investor

Schimpf und Schöllmann dankten allen Mitarbeitern, die immer mit Elan und Vertrauen dem Unternehmen beiseite standen. Umso erfreulicher sei es daher, keine der 28 Filialen schließen zu müssen und nahezu alle Mitarbeiter über das Verfahren hinweg gehalten zu haben.

Maßgeblich verantwortlich für die Rettung der Bäckerei ist auch Neuinvestor und Mitgesellschafter Günther Hertel. Der Inhaber der Aichinger GmbH, ein Unternehmen für Ladenbau aus Wendelstein, sieht viel Potenzial in dem Bäckereibetrieb. Mit dem Ziel, etwa 30 Filialen zu betreiben, möchte Hertel auch über neue Filialkonzepte das Unternehmen zu “einer der innovativsten Handwerksbäckereien in Deutschland” entwickeln. In Fürth entsteht ein neuer großer Standort. Die Produktion des Bäckereibetriebs bleibt in Langenzenn.

In den bestehenden Filialen gebe es noch viel Verbesserungspotenzial, weshalb das Unternehmen keine Expansion anstrebt, so Hertel. Geschäftsführer Schimpf meint, dass sie mit Hertel einen gleichdenkenden Investor gefunden haben. Da die Modernisierung des Betriebs und der Einsatz von elektronischer Datenverarbeitung (EDV) im Mittelpunkt stehen, wurde man sich gleich mit Hertel einig.

Manuel Ast, Fachanwalt für Insolvenzrecht von der Rechtsanwaltskanzlei Engelmann Eismann Ast aus Nürnberg, erarbeitete den Insolvenzplan. Da er selbst von den Produkten des Unternehmens überzeugt sei, wollte er unbedingt, dass die Firma wieder auf die Beine kommt.

Ein knappes Jahr nach dem Antrag auf Insolvenz der Bäckerei stellt Ast in den nächsten Monaten den Abschluss des Verfahrens in Aussicht. Der Geschäftsplan sei schon freigegeben und auch der Insolvenzplan ist seit dem 27. Juli rechtskräftig, so Ast. Gelingen konnte diese schnelle Entwicklung laut Ast durch den außergewöhnlichen Zusammenhalt des Unternehmens und die offene, unvoreingenommene Haltung der Geschäftsführer. Diese “sind noch Leute, die etwas vom Handwerk verstehen”. Auch den Gläubigern müsse man danken, denn diese haben auf den Großteil ihrer Forderungen verzichtet.

Gründe für die drohende Insolvenz waren hohe Fremdfinanzierungskosten, unerwartete Reparaturinvestitionen und der heiße Sommer 2018, der sich negativ auf die Branche und die Liquidität des Bäckereibetriebs auswirkte.

Digitalisierung als Chance

Schimpf sieht in der Digitalisierung die Chance, Mitarbeiter bei Nebenaufgaben zu entlasten, um den Fokus weiter auf das Bäckerhandwerk zu legen. Goldjunge geht dabei einen Dreischritt aus Qualität, traditionellem Handwerk und Innovation, so Schöllmann.

Auch die Tatsache, dass Bäckereien viele Produkte am Ende des Tages wegschmeißen müssen, will Goldjunge innovativ angehen.

In Kooperation mit einem Universitätsprofessor entwickele man ein Analyseprogramm, welches die benötigten Stückzahlen präziser prognostizieren soll und somit die Abfallreste minimiert, so Hertel. Eine solche Innovation würde das Unternehmen auch mit anderen Mitbewerbern in der Branche teilen, hieß es.